21.04.2002

Silver Star: Thriller auf Stelzen - größte und schnellste Achterbahn Europas im Europa-Park Rust

 

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Rust. Menschen machen bisweilen eigenartige Sachen. Binden sich ein Gummiseil um die Beine und stürzen sich von Brücken oder Kränen jauchzend in die Tiefe. Oder sie zwängen sich in selbst gebaute Rennvehikel und rasen kurvenreiche Abhänge hinunter. Der Thrill des scheinbar bodenlosen Falls in die Tiefe, der Rausch der Geschwindigkeit, das Gefühl abzuheben und von den Fliehkräften aus der Spur katapultiert zu werden ? hat im Europa-Park jetzt einen Namen: ?Silver Star?.

Die größte Stahl-Achterbahn Europas, geht im Wettbewerb um den stärksten Nervenkitzel aus dem Stand in die Pole Position. Der nagelneue Wahnsinn auf Stelzen misst an seinem höchsten Punkt 73 Meter. Eine Ehrfurcht gebietende Höhe. Schon von unten betrachtet, mit sicherem Boden unter den Füßen. Erst recht aber, wenn man oben in diesem kleinen Wagen sitzt, in dem nicht einmal Türen zum Schließen vorhanden sind, die Beine im Freien baumeln und man von nichts außer einem mehrfach arretierten und computerüberwachten Stahlbügel im Sitz gehalten wird. Warum nur muss ich mir das antun? Wohl deshalb, weil man einen Film ja auch erst dann versteht, wenn man ihn gesehen hat. Dennoch: Mit jedem zurückgelegten Meter auf dem Weg zum ?Silver Star?-Gipfel produziert der Körper mehr Adrenalin, pumpt das Herz die Angst ins Hirn. ?Ja, toll, grandioser Ausblick?, ringe ich mir ein gequältes Lächeln für meinen Nebenmann ab. Bemühte Coolness mit vollen Hosen.

 - Das Herz pumpt die Angst ins Gehirn -

Eine gute Minute nach der Abfahrt aus dem Bahnhof der Achterbahn hat der von einer Kette bergauf gezogene ?Silver Star?-Express den Gipfel er klommen. Gleich wird er ausgeklinkt und mit 130 Sachen durch ein 70-Grad-Gefälle in die Tiefe stürzen......

Der ?Silver Star? ist eine erstaunliche Ingenieurleistung. Innerhalb eines halben Jahres entstand bei laufendem Betrieb auf dem Europa-Park-Gelände mit einem Investitionsvolumen von etwa 15 Millionen Euro dieser gigantische Hypercoaster, der sich auf einer Länge von 1620 Metern durch den Park, über die Zufahrtsstraßen und entlang des Parkplatzes windet. Entworfen, berechnet und konstruiert hat diese Aufsehen erregende Bahn nach den ersten Ideen der Europa-Park-Verantwortlichenn das Schweizer Ingenieurbüro Bolliger & Mabillard. Bei den eidgenössischen Achterbahn-Spezialisten, die mit ihrem Know-how auch schon Bahnen für große Freizeitparks in Florida, Texas, Ohio und Kalifornien gebaut haben, liefen alle Fäden von der Planung bis zur Bauausführung zusammen. Rund 160 Sattelzüge haben in den vergangenen Monaten das Material für den Hypercoaster nach Rust geschafft, erklärt der ?Silver Star?-Projektleiter im Europa-Park, Jörg Lin. Zwei Hochbaukräne, drei Arbeitsbühnen und nur 15 Monteure waren nötig, um aus Schienenteilen, Stelzen, Kettengliedern und rund zehn Tonnen armdicker Schrauben die schnellste, höchste und spektakulärste Achterbahn Europas entstehen zu lassen.

Getragen wird das stählerne Ungetüm von rund 100 Beton-Großbohrpfählen, die zum Teil bis zu zwölf Meter tief in die Erde reichen. Ein Ruck geht durch den Zug. Kreischen. Jauchzen. Verzücktes Entsetzen. Im scheinbar freien Fall stürzt der ?Silver Star? in die Tiefe. Von 0 auf Tempo 130 in weniger als fünf Sekunden. Gesichter verzerren sich zu Grimassen, Hände krampfen sich um den Sicherheitsbügel, die Beschleunigung presst die Passagiere mit gewaltigen Kräften in den Sitz. Für wenige Sekunden wiege ich wohl 350 Kilogramm.

Geradezu majestätisch rauscht der Zug durch eine Linkskurve in den nächsten Hügel. Ein Gefühl wie auf einem Schleudersitz, der jede Sekunde auslöst und mich in den Himmel schießt. Tut er aber nicht, denn schon geht es im Mördertempo wieder abwärts. Ein ständiges Wechselbad der Gefühle aus Schwerelosigkeit, enormen Fliehkräften und der mehrfachen Erdanziehungskraft. Oh Gott, was ist das nur für ein Höllengerät. Das hätte man vorher wissen können. Schon der Bahnhof des nagelneuen ?Silver Star? ist eine Bühne des Motorsports, eine unausgesprochene Vorwarnung auf ein nerven aufreibendes Fahrerlebnis im silbernen Rennzug. Mercedes-Benz ist Partner des Achter-bahn- Projektes und sorgt in der futuristischen Architektur der Talstation mit 1:1-Modellen, Boxengassen-Panorama sowie Memorabilien seiner Star-Piloten für so erhöhte Aufmerksamkeit, dass die ?Silver Star?-Mitfahrer kaum merken, dass hier schon beim Einchecken die Zeit wie im Flug vergeht.

Es geht vorbei an einem Kommandostand mit seinen unzähligen Monitoren, einem echten Formel-1-Safety-Car und dem legendären Siegerauto der Tourenwagen Meisterschaft, einem Mercedes CLK. Nebenbei gibt?s jede Menge Motorensound, Videoeffekte und einen Hauch von Benzingeruch. Mittlerweile rauscht der ?Silver Star? über den zweiten der so genannten Kamelrücken, immerhin auch noch etwa 40 Meter hoch, dem nächsten Kurvenwunder entgegen. Wie eine Rakete steigt der Zug auf, fährt einen engen Bogen, und ? Gnade! ? kippt zur Seite und wirft sich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit in die enge 120-Grad-Kurve.

- Durchatmen, der Puls beruhigt sich -

Bevor die Gesichtsfarbe zurückkehren kann, sorgt ein weiterer 35 Meter hoher Schienenbuckel für eine mächtige Massage des Magens. Jetzt müsste man sich die Hände vors Gesicht halten können ? aber dazu müsste ich den Sicherheitsbügel loslassen. Trau ich mich aber nicht! Technisch wäre sogar noch etwas mehr machbar gewesen, sagt ?Silver Star?-Bauleiter Jörg Lin. Zum Beispiel eine Achterbahn von 100 Metern Höhe, Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h, Loopings ? aber dann würde aus der Fahrt an der Schwelle von Vergnügen zu Unbehagen mit Sicherheit ein Höllentrip.

Schon der ?Silver Star?, die Achterbahn Numero acht im Europa-Park, ist eine Rekordachterbahn. Leute mit Herzrhythmusstörungen und anderen gesundheitlichen Einschränkungen sollten auf eine Fahrt besser verzichten. Kurz bevor ich Weichei mir wünsche, ohnmächtig zu werden, wird der Zug abgebremst. Puuhh!

Aber von wegen: Die finale Schussfahrt reißt mich noch einmal in eine brutale Kurve, es geht rechts und links, rauf und runter und unter der 73- Meter hohen Mega-Abfahrt hindurch. Noch eine Kurve, bremsen, da ist der Bahnhof! Aussteigen, durchatmen, warten bis der Puls sich beruhigt und der Teint seine normale Farbe wieder gefunden hat. Menschen machen bisweilen eigenartige Sachen. Ihre Ängste selbst therapieren beispielsweise. Ich stehe 20 Minuten später schon wieder in der ?Silver Star? Warteschlange. Es ist einfach der Wahnsinn!!!

Hintergrund

?Silver Star? in Zahlen

Max. Höhe:                             73 MeterMax. Geschwindigkeit:             130 km/h

Max Belastung:                        ca. 4 G

Fahrstrecke:                            1620 Meter

Fahrzeit:                                 ca. 4 Min.

Rennzüge:                               3

Kapazität:                               36 Passagiere pro Zug

Bauzeit:                                  7 Monate

Monteure:                               15

Kosten:                                   15 Mio. Euro

Materialanlieferung:                  160 Sattelzüge

Materialverarbeitung:               2 Hochbaukräne, 3 Arbeitsbühnen

(je 84 Meter)

Materialbedarf Schrauben:        ca. 15000 Stück

Materialbedarf Stützen:            ca. 100 Stück

Bodenverankerung:                  ca. 1.000 Stahlbetongroßbohrpfähle 

  • Foto: Europa-ParkABDRUCK HONRARFREI!

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